Was ist Naturwein?

Naturwein oder vin naturel ist für uns erstmal ein geschmacklicher Unterschied zu konventionellem Wein. Außerdem fordern wir unsere Winzer heraus, mit uns und Ihnen, liebe Kunden, Mut zu beweisen, neue Wege zu gehen und gewohnte Geschmacksmuster in Frage zu stellen.

Während konventionell produzierte Weine von Primärfruchtaromen getragen sind (denken Sie an die klassische Riesling-Aromatik: Pfirsich, Aprikose, Apfel, etwas Zitrus), sind Naturweine geschmacklich roher, wilder, oft erdiger. Ein Naturwein kann trüb oder gar schlammig sein. Er riecht oft ganz anders, als er dann im Mund schmeckt. Kurzum: Naturweine stellen Fragen, sie taugen zum Abenteuer.

Weiß­wein kann nach Apfel­most riechen und schmecken, hat ganz leichte bis stär­kere oxi­da­tive Noten, Jod, hefige Töne, auch tee­ar­tige Tan­nine. Bei Rot­wein schmecken wir öfter eine erdige Rich­tung, Kräuter, Blätter, Unterholz. Auch animalische Noten, wie Stall oder rohes Fleisch werden assoziiert.

Über Natur­weine, Vins Natu­rels, Natu­ral Wines, Raw Wines, Naked Wines oder wie auch immer man sie nen­nen mag, wird hitzig dis­ku­tiert. Einige sagen einfach „Natur­wein gibt es nicht.“ Das ist runtergebrochen sicherlich durchaus kor­rekt, denn Wein ist immer ein Kul­tur­pro­dukt. Aber die Winzer, mit denen wir zusammen arbeiten, versuchen möglichst wenig in die Weinentstehung einzugreifen. Im Keller wird auf die biologische oder biodynamische Arbeit im Weinberg aufgebaut, dort gibt es zum Beispiel keine Korrektur des Zucker- oder Säuregehalts, keinen Zusatz von Hefen und keine Mostkonzentration in einem feuchten Jahr.

Wir achten bei unseren Winzern auf nachvollziehbare Authentizität und Transparenz. Wir kennen unsere Winzer ausnahmslos persönlich und spüren ihre Lust am Winzer-Handwerk, wenn wir sie in ihren Weinbergen und -Kellern besuchen, wenn wir ihre Weine verkosten und wenn wie sie zu uns nach Berlin einladen.

Was aber tatsächlich fehlt, ist eine gesetzliche Regelung für Naturwein. Anders als beim Bio-Siegel oder dem demeter-Zertifikat für Biodynamie gibt es keine klaren Regeln.

Wir möchten folgende Merkmale festhalten, die für uns und unsere Winzer wichtig sind:

  • Die Rebanlagen werden biologisch oder biodynamisch bewirtschaftet

 

  • Die Ernte erfolgt per Handlese

 

  • Es werden nur natürliche Hefen zur Vergärung verwendet, Ausnahmen nur für die zweite Gärung bei der Sektherstellung

 

  • Der Gesamtschwefelgehalt liegt deutlich unter den Werten für konventionellen Wein, max. 40 mg Gesamt-SO2

 

Zum Vergleich: für Weine aus ökologischem Anbau gelten ab der Ernte 2012 folgende Höchstwerte: Für Rotweine mit einem Restzuckergehalt von weniger als 2 g/l max. 100 mg/l SO2, für Weiß-und Roséweine max. 150 mg/l SO2.
Konventionelle Weine dürfen je nach Weinart und Restzuckergehalt zwischen 150 mg/l und 400 mg/l SO2 enthalten.

 

  • Es sind keine Eingriffe im Vinifikationsprozess wie Mostkonzentration, Säuerung, Entsäuerung, Umkehrosmose, usw., erlaubt

 

  • Die meisten Weine sind unfiltriert, Ausnahmen gibt es bei Perl- und Schaumwein

 

  • Die stillen Weinen sind für Vegetarier und Veganer geeignet

 

 15-Liter-Glasballon im MicroBio Wines-Keller von Ismael Gozalo

 

Naturwein – Vorreiter, Klassiker und Newcomer

Naturwein gibt es aber schon seit zirka 8.000 Jahren. Damals wurden bei der Weinproduktion natürlich keine Unmengen an Hefen, Vitaminen, Enzymen beigemischt oder mit Umkehrosmose und Tanninpulver gearbeitet – Techniken, die heutzutage im konventionellen Weinbau Gang und Gäbe sind. Die Trauben wurden einfach gepresst und zu Wein vergoren.

Naturwein an sich ist also nicht neu. Die Naturweinbewegung, an der sich die Geister seit ein paar Jahren scheiden, jedoch schon.

Die Anhän­ger der Natur­wein-Kern­szene bezie­hen sich immer wieder auf Jules Chau­vet (1907–1989), einen stu­dier­ten Che­mi­ker und Win­zer aus dem Beau­jo­lais. Als es im Beau­jo­lais noch um schnelle Vini­fi­ka­tion und die Bedie­nung der Märk­te ging, strebte er danach die Qualität seiner Weine zu verbessern. Das hieß für ihn: eine Land­wirt­schaft ohne che­mi­sche Dün­ger und Her­bi­zide, keine Chap­ta­li­sa­tion, keine Rein­zucht­he­fen, keine Fil­tra­tion, keine Schö­nung und kein Zusatz von Schwefel. Dabei ging es ihm weniger um Ideologie als um Qualität. Er wollte Weine machen, die besonders bekömmlich sind, möglichst pur und gut trinkbar.

Davon lie­ßen sich andere Win­zer inspi­rie­ren: zunächst Mar­cel Lapierre, Jean Foil­lard, Guy Bre­ton und Jean-Paul The­ve­net (Beaujolais), Nicolas Joly (Loire), Josko Gravner (Friaul) und spä­ter auch zahl­rei­che andere. Es waren jedoch jah­re­lange Expe­ri­mente von Nöten, im Aus­bau, in der Vinifikation, ob mit Schwefel oder ohne, wenn ja, wie viel, bis die Weine ein Level an Sta­bi­li­tät, Halt­bar­keit und auch kla­rem Geschmack hat­ten, das die Winzer erreichen wollten. 

Zu den Klassikern zählen aus unserem Sortiment die Winzer Mat­t­hieu Lapierre (der die Domaine nach dem Tod sei­nes Vaters Mar­cel über­nom­men hat) aus dem Beaujolais, aus dem Jura Jean-Etienne Pignier und von der Loire, dem Hot Spot der Vin Naturel-Szene, natürlich Richard Leroy.

Besonders ausgeprägt ist die Szene heute ebenso in Spanien und Slowenien. Spanien hat relativ schnell aufgeholt, besonders im Frankreich-nahen Weinbaugebiet Katalonien. Aus Katalonien stammt beispielsweise Joan Ramón Escoda-Sanahuja, dessen Weine unsere Naturwein-Leidenschaft entfesselten. Aber auch aus Kastilien-León haben wir mittlerweile eine umfangreiche Auswahl an Vin Naturels.

In Deutschland fingen wenige Winzer erst sehr spät an, ihre Weine so zu produzieren. Es entspricht schlichtweg nicht dem typisch deutschen fruchtbetonten Stil, den viele Weintrinker forderten und nach wie vor fordern. Erst seit wenigen Jahren haben wir Naturweine von Huberty Lay (Baden) im Programm, 2014 folgten Stefan Vetter (Franken), 2015 Bianka & Daniel Schmitt (Rheinhessen).

Wir beobachten diese Entwicklung in Deutschland mit Freude und Spannung, möchten wir unser Naturwein-Sortiment doch auch aus heimischen Gefilden ausweiten.

Naturwein oder vin naturel ist für uns erstmal ein geschmacklicher Unterschied zu konventionellem Wein. Außerdem fordern wir unsere Winzer heraus, mit uns und Ihnen, liebe Kunden, Mut zu... mehr erfahren »
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Was ist Naturwein?

Naturwein oder vin naturel ist für uns erstmal ein geschmacklicher Unterschied zu konventionellem Wein. Außerdem fordern wir unsere Winzer heraus, mit uns und Ihnen, liebe Kunden, Mut zu beweisen, neue Wege zu gehen und gewohnte Geschmacksmuster in Frage zu stellen.

Während konventionell produzierte Weine von Primärfruchtaromen getragen sind (denken Sie an die klassische Riesling-Aromatik: Pfirsich, Aprikose, Apfel, etwas Zitrus), sind Naturweine geschmacklich roher, wilder, oft erdiger. Ein Naturwein kann trüb oder gar schlammig sein. Er riecht oft ganz anders, als er dann im Mund schmeckt. Kurzum: Naturweine stellen Fragen, sie taugen zum Abenteuer.

Weiß­wein kann nach Apfel­most riechen und schmecken, hat ganz leichte bis stär­kere oxi­da­tive Noten, Jod, hefige Töne, auch tee­ar­tige Tan­nine. Bei Rot­wein schmecken wir öfter eine erdige Rich­tung, Kräuter, Blätter, Unterholz. Auch animalische Noten, wie Stall oder rohes Fleisch werden assoziiert.

Über Natur­weine, Vins Natu­rels, Natu­ral Wines, Raw Wines, Naked Wines oder wie auch immer man sie nen­nen mag, wird hitzig dis­ku­tiert. Einige sagen einfach „Natur­wein gibt es nicht.“ Das ist runtergebrochen sicherlich durchaus kor­rekt, denn Wein ist immer ein Kul­tur­pro­dukt. Aber die Winzer, mit denen wir zusammen arbeiten, versuchen möglichst wenig in die Weinentstehung einzugreifen. Im Keller wird auf die biologische oder biodynamische Arbeit im Weinberg aufgebaut, dort gibt es zum Beispiel keine Korrektur des Zucker- oder Säuregehalts, keinen Zusatz von Hefen und keine Mostkonzentration in einem feuchten Jahr.

Wir achten bei unseren Winzern auf nachvollziehbare Authentizität und Transparenz. Wir kennen unsere Winzer ausnahmslos persönlich und spüren ihre Lust am Winzer-Handwerk, wenn wir sie in ihren Weinbergen und -Kellern besuchen, wenn wir ihre Weine verkosten und wenn wie sie zu uns nach Berlin einladen.

Was aber tatsächlich fehlt, ist eine gesetzliche Regelung für Naturwein. Anders als beim Bio-Siegel oder dem demeter-Zertifikat für Biodynamie gibt es keine klaren Regeln.

Wir möchten folgende Merkmale festhalten, die für uns und unsere Winzer wichtig sind:

  • Die Rebanlagen werden biologisch oder biodynamisch bewirtschaftet

 

  • Die Ernte erfolgt per Handlese

 

  • Es werden nur natürliche Hefen zur Vergärung verwendet, Ausnahmen nur für die zweite Gärung bei der Sektherstellung

 

  • Der Gesamtschwefelgehalt liegt deutlich unter den Werten für konventionellen Wein, max. 40 mg Gesamt-SO2

 

Zum Vergleich: für Weine aus ökologischem Anbau gelten ab der Ernte 2012 folgende Höchstwerte: Für Rotweine mit einem Restzuckergehalt von weniger als 2 g/l max. 100 mg/l SO2, für Weiß-und Roséweine max. 150 mg/l SO2.
Konventionelle Weine dürfen je nach Weinart und Restzuckergehalt zwischen 150 mg/l und 400 mg/l SO2 enthalten.

 

  • Es sind keine Eingriffe im Vinifikationsprozess wie Mostkonzentration, Säuerung, Entsäuerung, Umkehrosmose, usw., erlaubt

 

  • Die meisten Weine sind unfiltriert, Ausnahmen gibt es bei Perl- und Schaumwein

 

  • Die stillen Weinen sind für Vegetarier und Veganer geeignet

 

 15-Liter-Glasballon im MicroBio Wines-Keller von Ismael Gozalo

 

Naturwein – Vorreiter, Klassiker und Newcomer

Naturwein gibt es aber schon seit zirka 8.000 Jahren. Damals wurden bei der Weinproduktion natürlich keine Unmengen an Hefen, Vitaminen, Enzymen beigemischt oder mit Umkehrosmose und Tanninpulver gearbeitet – Techniken, die heutzutage im konventionellen Weinbau Gang und Gäbe sind. Die Trauben wurden einfach gepresst und zu Wein vergoren.

Naturwein an sich ist also nicht neu. Die Naturweinbewegung, an der sich die Geister seit ein paar Jahren scheiden, jedoch schon.

Die Anhän­ger der Natur­wein-Kern­szene bezie­hen sich immer wieder auf Jules Chau­vet (1907–1989), einen stu­dier­ten Che­mi­ker und Win­zer aus dem Beau­jo­lais. Als es im Beau­jo­lais noch um schnelle Vini­fi­ka­tion und die Bedie­nung der Märk­te ging, strebte er danach die Qualität seiner Weine zu verbessern. Das hieß für ihn: eine Land­wirt­schaft ohne che­mi­sche Dün­ger und Her­bi­zide, keine Chap­ta­li­sa­tion, keine Rein­zucht­he­fen, keine Fil­tra­tion, keine Schö­nung und kein Zusatz von Schwefel. Dabei ging es ihm weniger um Ideologie als um Qualität. Er wollte Weine machen, die besonders bekömmlich sind, möglichst pur und gut trinkbar.

Davon lie­ßen sich andere Win­zer inspi­rie­ren: zunächst Mar­cel Lapierre, Jean Foil­lard, Guy Bre­ton und Jean-Paul The­ve­net (Beaujolais), Nicolas Joly (Loire), Josko Gravner (Friaul) und spä­ter auch zahl­rei­che andere. Es waren jedoch jah­re­lange Expe­ri­mente von Nöten, im Aus­bau, in der Vinifikation, ob mit Schwefel oder ohne, wenn ja, wie viel, bis die Weine ein Level an Sta­bi­li­tät, Halt­bar­keit und auch kla­rem Geschmack hat­ten, das die Winzer erreichen wollten. 

Zu den Klassikern zählen aus unserem Sortiment die Winzer Mat­t­hieu Lapierre (der die Domaine nach dem Tod sei­nes Vaters Mar­cel über­nom­men hat) aus dem Beaujolais, aus dem Jura Jean-Etienne Pignier und von der Loire, dem Hot Spot der Vin Naturel-Szene, natürlich Richard Leroy.

Besonders ausgeprägt ist die Szene heute ebenso in Spanien und Slowenien. Spanien hat relativ schnell aufgeholt, besonders im Frankreich-nahen Weinbaugebiet Katalonien. Aus Katalonien stammt beispielsweise Joan Ramón Escoda-Sanahuja, dessen Weine unsere Naturwein-Leidenschaft entfesselten. Aber auch aus Kastilien-León haben wir mittlerweile eine umfangreiche Auswahl an Vin Naturels.

In Deutschland fingen wenige Winzer erst sehr spät an, ihre Weine so zu produzieren. Es entspricht schlichtweg nicht dem typisch deutschen fruchtbetonten Stil, den viele Weintrinker forderten und nach wie vor fordern. Erst seit wenigen Jahren haben wir Naturweine von Huberty Lay (Baden) im Programm, 2014 folgten Stefan Vetter (Franken), 2015 Bianka & Daniel Schmitt (Rheinhessen).

Wir beobachten diese Entwicklung in Deutschland mit Freude und Spannung, möchten wir unser Naturwein-Sortiment doch auch aus heimischen Gefilden ausweiten.