6 essenzielle Weine für den Frühling
Der Frühling ist diese seltsame Jahreszeit, in der man mittags plötzlich ohne Jacke rausgeht, abends dann doch wieder friert und trotzdem sofort Lust auf andere Weine bekommt. Weine, die leichter wirken, frischer schmecken, mehr Zug haben. Flaschen, die nicht beschweren, sondern eher aufwecken.
Es ist die Zeit für alles, was trinkfreudig, saftig und lebendig ist. Für Weine, die sich elegant zwischen Aperitif, Balkon, Pasta, Spargel, Picknickdecke und Feierabend schieben. Nicht mehr ganz Winter, noch nicht ganz Hochsommer. Sondern genau dieser schöne Zwischenzustand, in dem man wieder Lust auf Helligkeit im Glas bekommt.
Genau dafür haben wir sechs Weine ausgesucht, die für uns gerade besonders gut in diese Jahreszeit passen. Sechs Flaschen, die nicht geschniegelt daherkommen, sondern einfach sehr präzise den richtigen Ton treffen: mal salzig, mal floral, mal zitrisch, mal leicht wild, aber immer mit sehr gutem Trinkfluss.
Weingut Leon Gold – 2024 Weiss Gold
Wenn der Frühling eine eigene Hausband hätte, wäre dieser Wein ziemlich sicher deren erster Song.
Der Weiss Gold von Leon Gold aus Württemberg ist eine Bio-Cuvée aus Kerner, Müller-Thurgau, Muskateller und Riesling, im Edelstahl ausgebaut und genau deshalb so klar, frisch und animierend, wie man es sich für diese Jahreszeit wünscht. Aromatisch bewegt sich der Wein zwischen Birne, Mirabelle, Muskat, Rosenblüte und weißem Pfeffer. Das Ganze wirkt offen und verspielt, ohne ins Beliebige abzurutschen.
Gerade im Frühling funktioniert so ein Wein besonders gut, weil er nicht mit Kraft beeindrucken will, sondern mit Leichtigkeit. Er passt zu Gemüse, Kräutern, hellen Gerichten und den ersten Abenden draußen. Ein Wein für alle, die etwas Duft und Charme im Glas mögen, aber trotzdem etwas Frisches und Unkompliziertes trinken wollen.
Domaine de la Fessardière – 2024 Muscadet La Mer
Der Muscadet La Mer von der Domaine de la Fessardière aus dem Nantais ist genau die Art Wein, die man viel häufiger trinken sollte. Er ist klar, geradlinig, zitrisch und salzig, mit dieser typischen kühlen, fast jodigen Frische, die guten Muscadet so unwiderstehlich macht. Ein Wein, der nichts Lautes braucht, um sehr präzise zu wirken.
Gerade jetzt, wenn die Küche wieder leichter wird, läuft so etwas zur Hochform auf. Grüner Spargel, Radieschen, Fisch, Austern, salzige Kleinigkeiten oder einfach ein sonniger Mittag, dieser Wein schmeckt, als hätte jemand einmal gründlich durchgelüftet. Unprätentiös, erwachsen und mit sehr hohem Wiedertrinkfaktor.
Clos de Caillou – 2024 Le Caillou Rosé
Rosé hat bekanntlich ein Imageproblem. Vieles davon ist verdient. Dieser hier gehört nicht dazu.
Der Le Caillou Rosé vom Clos de Caillou aus der südlichen Rhône ist ein Rosé, der nicht nach Poolspielzeug schmeckt, sondern nach Wein. Die Cuvée basiert auf Grenache und wird je nach Jahrgang durch Cinsault, Syrah und Mourvèdre ergänzt. Der Ausbau erfolgt sehr sauber und präzise, mit viel Frische, schöner Textur und einem animierenden, saftigen Finale.
Im Frühling ergibt Rosé plötzlich wieder Sinn, vorausgesetzt, er ist gut gemacht. Dieser hier bringt genug Frische für den Nachmittag und genug Substanz, um auch mit Essen hervorragend zu funktionieren. Salat Niçoise, gegrillter Fisch, kleine Teller, Terrasse, spätes Nachmittagslicht: alles drin. Ein Rosé für Menschen, die Rosé sonst eher skeptisch sehen.
Paltrinieri – Lambrusco Radice
Wer Lambrusco immer noch für ein süßes Relikt aus dunklen Zeiten hält, sollte dringend mit Radice Bekanntschaft machen.
Paltrinieri ist ein Familienweingut in Sorbara bei Modena, das sich seit Generationen dem Lambrusco widmet. Der Radice ist ein Lambrusco di Sorbara DOC, 100 % Sorbara, trocken, in der Flasche refermentiert, fein perlend und leicht trüb durch das Gärdepot. Im Glas bringt er Grapefruit, Walderdbeere, Wildrose, Granatapfel und grüne Apfelschale, dazu vibrierende Säure und salzige Energie.
Warum passt das so perfekt in den Frühling? Weil kaum etwas so unmittelbar gute Laune macht wie ein wirklich guter Lambrusco. Radice ist rot, aber nicht schwer. Schäumend, aber nicht banal. Kühl, lebendig, herzhaft und appetitanregend. Perfekt zu Charcuterie, Frittiertem, Pizza, Picknick und spontanen Runden, die eigentlich nur mit einem Glas anfangen sollten.
Casa Balaguer – 2024 Tragolargo blanco
Der Frühling braucht nicht nur Frische. Er verträgt auch ein kleines bisschen Abenteuer.
Der Tragolargo blanco von Casa Balaguer aus Alicante ist ein Orange Wine mit einer sehr zugänglichen, charmanten Art. Statt anstrengend oder verkopft zu wirken, bleibt er offen, trocken und erstaunlich trinkig. Im Glas zeigt er weiße Steinfrucht, Pfirsich, florale Noten, etwas Grip und eine schöne, animierende Frische. Gerade im Frühling ist das spannend, weil man wieder Lust auf Textur, Kräuter, Bitterstoffe und etwas mehr Spannung bekommt, ohne gleich in extreme Naturwein-Gefilde abzubiegen.
Tragolargo blanco schafft genau diesen Spagat: ein bisschen wild, aber freundlich; eigen, aber nicht sperrig. Ein Wein, der hervorragend zu Gemüse, Kräutern, Fenchel, Artischocke oder einfach zu einer guten Portion Neugier passt.
Matthias Warnung – 2023 Potatoland
Allein für den Namen müsste man ihn eigentlich schon probieren. Zum Glück kann er auch noch liefern.#
Potatoland von Matthias Warnung ist ein Grüner Veltliner aus dem Kamptal, frisch, fruchtbetont und mit einem kleinen Hauch Schalenkontakt. Der Wein verbindet gelbe Frucht, Würze und eine leichte Unruhe auf sehr angenehme Weise. Nichts daran ist geschniegelt oder geschniegelt-österreichisch geschniegelt, sondern eher ehrlich, charaktervoll und sehr trinkfreudig.
Gerade im Frühling spielt Grüner Veltliner seine Stärken oft besonders schön aus. Die Würze, die Frische, die herbe Spannung und die gelbe Frucht machen ihn zum idealen Begleiter für Frühlingsküche, von Spargel bis Kartoffel, von Kräutern bis leichter Schärfe. Potatoland ist dabei eigenständig genug, um interessant zu bleiben, aber locker genug, um sehr schnell sehr leer zu werden.