Deep Dive · Burgenland
Gut Oggau, eine Weinfamilie
Wer hinter Gut Oggau steht, warum jede Flasche ein Gesicht hat und was die sechs Weine aus unserem Paket „Linie: Oggau“ unterscheidet, vom Weingarten bis in den Keller.
Die Reihenfolge ist zugleich eine Probierreihenfolge: erst die junge Generation, dann die Eltern.
Das Gut
Wer
Stephanie und Eduard Tscheppe haben Gut Oggau 2007 gekauft, ein altes Weingut in Oggau am Neusiedler See im Burgenland. Der Hof stammt aus dem 17. Jahrhundert. Stephanie kommt aus einer Gastronomenfamilie, hat Fotografie gelernt und in Lausanne Hospitality Management studiert. Eduard kommt aus einer Winzerfamilie, hat Weinbau gelernt und Wirtschaft studiert.
Im Weingarten
Seit dem Kauf wird biodynamisch gearbeitet, von Hand und mit Pferden, heute mit Demeter-Zertifikat. Das heißt: keine synthetischen Dünger, keine Herbizide, keine synthetischen Spritzmittel. Zum Pflügen kommt immer öfter ein Pferd statt eines Traktors, das Ziel ist, irgendwann ganz ohne Maschinen auszukommen.
Im Keller
Alle Weine werden gleich behandelt: spontan vergoren mit den eigenen Hefen, nicht geschönt, nicht filtriert, ohne zugesetzten Schwefel. Trübung und Depot sind für die Tscheppes ein Zeichen von Leben. Ausgebaut wird in Fässern von Stockinger, vom 500-Liter-Fass bis zum 3000-Liter-Fass.
Gut zu wissen
Am Anfang wollte in Österreich kaum jemand diese Weine, den Begriff Naturwein gab es noch gar nicht. Die ersten Kunden saßen in Kopenhagen, London und Japan. Bis heute gehen weit über 90 Prozent der Flaschen ins Ausland. 2021 hat Gut Oggau für den dänischen Möbelhersteller Fritz Hansen vier Stühle von Arne Jacobsen mit Rotwein gefärbt, von hell bis tiefrot. Verkauft wurde davon nichts.
Hinfahren: Von April bis September ist mittwochs und donnerstags von 10 bis 17 Uhr Ab-Hof-Verkauf, an einigen Wochenenden im Jahr öffnet der Heurige.
„Nach dem ersten Jahrgang war es, als hätte ich lebende Menschen im Keller.“
Eduard Tscheppe
Die Gesichter
Jede Flasche von Gut Oggau trägt ein Gesicht und einen Vornamen. Die Gesichter sind erfunden. Sie zeigen den Eindruck, den ein Wein auf die Familie macht.
Drei Generationen
Die junge Generation ist jugendlich, unbekümmert und voller Energie. Die Eltern sind lebenserfahren und gelassen, mit Tiefe und Würde. Die Großeltern kommen aus den ältesten Lagen. Zu welcher Generation ein Wein gehört, entscheidet der Weingarten: Die Jungen wachsen im Flachland auf Schotter, bei Atanasius auch auf Kalk. Die Eltern stehen an den Hängen und oben auf dem Plateau, auf Kalk, Schiefer und Quarz. Behandelt werden alle gleich, den Unterschied macht die Natur.
Die Etiketten
Gestaltet hat die Etiketten die Agentur Jung von Matt in Wien. 2009 gewann das Design Gold beim Werbefestival in Cannes, in der Kategorie Verpackungsdesign. Auf den Rückenetiketten älterer Jahrgänge standen kleine Familiengeschichten wie in einer Seifenoper. Eine davon: Onkel Emmeram vermutet, dass Theodora eigentlich seine Tochter ist.
Keine Rebsorten
Vorne auf dem Etikett steht keine Rebsorte, nur Gesicht, Name und Jahrgang. Jeder Wein ist ein Weingartenverschnitt: Was im Weingarten zusammen wächst, kommt zusammen in den Wein. Eduard bringt es auf einen Satz: Die Weingärten sind immer dieselben, das ist die Konstante.
Der Jahrgang 2025
In Österreich begann das Jahr mit einem trockenen Frühjahr. Austrieb war Mitte bis Ende April, die Blüte kam Anfang Juni, rund zwei Wochen später als 2024. Mai und Juni brachten Regen, danach Hitze bis Anfang Juli, einen kühleren Juli mit Niederschlag und einen August mit warmen Tagen und kühlen Nächten. Für das Burgenland wurde der Beginn der Hauptlese um den 8. September erwartet, dazu fruchtbetonte, eher leichtere Weine mit guter Balance zwischen Zucker und Säure. Die fünf 2025er aus dem Paket liegen alle bei 11 bis 12 Prozent Alkohol.
Teil 1
Die Jungen
Flachland, Schotter, 120 Meter über dem Meer

1 · Weiss
Theodora 2025
Verführerisch, frech, temperamentvoll und ein wenig stur. Theodora weckt das Rebellische.
11 % Alkohol · 1,2 g/l Restzucker · 12 bis 15 °C · 25 hl/ha · hält 15 Jahre
Der Weingarten
Rund 40 Jahre alte Reben im Flachland, auf Schotter, 120 Meter über dem Meer. Die meisten Stöcke sind im Guyot erzogen, ein Teil am Einzeldraht.
Im Keller
Abgebeert, ein Teil der Trauben lag zehn Tage auf der Maische. Spontan vergoren in Fässern von 500 bis 3000 Litern, sieben Monate auf der Feinhefe, abgefüllt im April 2026.
Gut zu wissen
Theodora war nicht immer so trocken: Der Jahrgang 2015 hatte etwas Restsüße und kam in einer Sektflasche. Eduard beschrieb sie damals als Stillwein mit einem Hauch Kohlensäure. Bei uns im Laden ist Theodora gerade offen.

2 · Rosé
Winifred 2025
Lebendig an der Oberfläche, darunter Tiefe. Winifred räumt mit Klischees über Rosé auf.
12 % Alkohol · 1,7 g/l Restzucker · 12 bis 15 °C · 25 hl/ha · hält 15 Jahre
Der Weingarten
40 Jahre alte Reben im Flachland, auf Schotter, 120 Meter über dem Meer, im Guyot erzogen. Winifred kommt aus einem eigenen Weingarten für Rosé und ist kein Nebenprodukt der Rotweinbereitung.
Im Keller
Abgebeert, nur einige Stunden auf der Maische. Spontan vergoren in Fässern von 500 bis 3000 Litern, sieben Monate auf der Feinhefe.

3 · Rot
Atanasius 2025
Auf Atanasius ist Verlass. Kräftig, direkt, fest verwurzelt im Schotter, und er folgt seinem Instinkt.
11 % Alkohol · 1,9 g/l Restzucker · 16 bis 18 °C · 25 hl/ha · hält 15 Jahre
Der Weingarten
40 Jahre alte Reben im Flachland, auf Schotter und Kalk, 120 Meter über dem Meer. Erzogen wird hier von Stock zu Stock verschieden.
Im Keller
Teilweise abgebeert, ein Teil zehn Tage auf der Maische. Vergoren im Holzbottich und im offenen Holzfass, danach zehn Monate in gebrauchten Fässern mit 500 und 1000 Litern. Abgefüllt im Juni 2026.
Gut zu wissen
Ein Rotwein mit nur 11 % Alkohol, gemacht für den Esstisch: Atanasius ist eher ein Begleiter zum Essen als ein Wein für sich allein. Auch er ist bei uns im Laden gerade offen.
Teil 2
Die Eltern
Hänge und Plateau, Kalk, Schiefer und Quarz

4 · Weiss
Timotheus 2025
Tiefgang und Würde, ein ironischer Witz, eine mächtige Statur. Timotheus erzählt von Kalk und Schiefer.
12 % Alkohol · 0,7 g/l Restzucker · 14 °C · 20 hl/ha · hält 15 bis 20 Jahre
Der Weingarten
45 Jahre alte Reben an Ost- und Südosthängen, auf Kalk und Schiefer, 150 bis 200 Meter über dem Meer, im Guyot erzogen.
Im Keller
Abgebeert, ein Teil zehn Tage auf der Maische, spontan vergoren. Zehn Monate in Fässern mit 500 und 1000 Litern. Mit 0,7 Gramm Restzucker knochentrocken.

5 · Weiss
Eugenie 2025
Eugenie ist die Jüngste im Haus. Sie wächst in einem Weingarten, den die Familie selbst gepflanzt hat.
11 % Alkohol · 1 g/l Restzucker · 14 °C · 15 hl/ha · hält 15 bis 20 Jahre
Der Weingarten
Sechs Jahre alte Reben ganz oben auf dem Plateau, auf Schiefer und Quarz, 250 Meter über dem Meer. Jeder Stock steht für sich, ohne Draht, zwischen Bäumen, Sträuchern und Kräutern. Die Arbeit machen die Pferde, keine schweren Maschinen. Der Ertrag ist der niedrigste der sechs Weine. Gepflanzt wurde ein gemischter Satz aus pilzwiderstandsfähigen Sorten.
Im Keller
Abgebeert, ein Teil vier Tage auf der Maische. Vergoren und zehn Monate ausgebaut im Holzfass.
Gut zu wissen
Eugenie ist eine echte Rarität: Vom Jahrgang 2024 gab es gerade einmal 414 Flaschen. Für Eduard ist dieser Weingarten sein ganzer Stolz.

6 · Rot
Josephine 2024
Südländisches Temperament und nördlicher, trockener Humor. Hell, verspielt, warm und fürsorglich, ein Freigeist.
12 % Alkohol · 0,7 g/l Restzucker · 16 bis 18 °C · 30 hl/ha · hält 20 Jahre
Der Weingarten
35 Jahre alte Reben an einem Ost- und Südosthang, auf Kalk, 180 Meter über dem Meer, im Guyot erzogen.
Im Keller
Teilweise abgebeert, ein Teil zehn Tage auf der Maische. Spontan vergoren in einem einzigen 3000-Liter-Fass, dann 18 Monate auf der Feinhefe. Kein anderer Wein im Paket hatte so viel Zeit. Abgefüllt im April 2026.
Der Jahrgang 2024
Ein kühles, feuchtes Frühjahr, danach ein sehr heißer, trockener Sommer. Anfang August kam eine kalte, nasse Phase, die Lese selbst war warm und trocken.
Gut zu wissen
Was man in den Gesichtern sieht, ist Geschmackssache: Eine Verkosterin erkannte in Theodora die Modejournalistin Anna Wintour und in Josephine eine Yogalehrerin aus San Francisco.
Alle sechs nebeneinander
Lerne die Familie in der richtigen Reihenfolge kennen.
Erst Theodora, Winifred und Atanasius aus dem Flachland, dann Timotheus, Eugenie und Josephine von den Hängen und vom Plateau. Achte darauf, wie der Boden von Schotter zu Kalk, Schiefer und Quarz wechselt und was das mit Spannung und Tiefe im Glas macht.
Theodora und Atanasius sind bei uns im Laden in der Grolmanstraße offen. Am Samstag, 28. November, ist Gut Oggau bei unserer ViniBAR III von 14 bis 19 Uhr selbst da. Wer das Paket kauft, bekommt an dem Tag einen Coin gratis, einfach Namen an der Kasse nennen.
Fragen zu den sechs? Schreib uns oder komm in die Grolmanstraße, wir erzählen gern mehr.