Carsten Saalwächter

Weingut Saalwächter

Deutschland Rheinhessen

Bei der Weinreise zu Peter Jakob Kühn in den Rheingau haben wir im Herbst 2018 einen längst fälligen Stopp bei Carsten Saalwächter in Ingelheim eingelegt. Die Probe seiner damals allerersten eigenen Weine hat uns dann sofort umgehauen:

Silvaner, wie wir ihn noch nie (!) probiert hatten; eleganter Chardonnay, der genausogut ein 1er Cru aus dem Burgund hätte sein können; stoffiger Grauburgunder, der absolut nichts mit dem (zu) weit verbreiteten Alltagsbrei zu tun hat; und ein kleiner Spätburgunder, der damals vielleicht noch etwas molliger war als Carsten lieb war – der aber spätestens seit dem Jahrgang 2019 den Weißen in Sachen Eleganz und Einzigartigkeit in nichts nachsteht.

Hier war ein junger Winzer, der im Burgund den Mut zum laissez faire gelernt hatte, der seinen Weinen von Anfang an die Zeit im Keller geben wollte, die sie brauchten, um wirklich groß zu werden – weil nur so der Sprung auf die deutsche Weinbühne gelingen konnte...

Die zwei Seelen des Spätburgunders

Ingelheim und Assmannshausen. Rheinhessen und Rheingau. Kalkstein und Schiefer.

Für Carsten stand von Anfang an fest, dass er auch auf der anderen Rheinseite Rotweine machen wollte. Und nicht einfach irgendwo: in den prestigeträchtigen Terrassen des Assmannshäuser Höllenberg. Carsten beschreibt die steilen Schiefer-Lagen, die südwestlich zum Rhein hin abfallen, als echte Grand Crus. Zum einen historisch, was ihren Ruf und die Tradition hier angeht. Aber auch von den Böden und dem alten Rebbestand (meist sogar französischer Klone).

Die alten Ingelheimer Reben wachsen auf gelbem Kalkstein, der dem des französischen Jura ähnelt. Die Lagen fallen leicht nach Norden hin ab, sind also etwas kühler als die meisten anderen in Rheinhessen. Man findet hier vor allem den Geisenheimer- und den Neuss-Klon. Beide mit etwas größeren Beeren als die französischen in Assmannshausen, was zu weniger Extraktion führt.

Die beiden Terroirs liefern vollkommen unterschiedliche Weine: die Ingelheimer Spätburgunder sind rotfruchtig und filigran, fein und floral; die Assmannshäuser sind dunkler und haben einen tiefblauen Fruchtkern, um den sich ätherische Aromen wie Schwarztee und Bergamotte gliedern, auch sind sie etwas dichter und strukturierter.

Wir lieben sie beide: das Licht und die Dunkelheit. Hauptsache Pinot!